HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2011 für Straßenkinder e.V.

| Auszeichnung

Berlin, 14. Juni 2012: Der Träger der freien Jugendhilfe Straßenkinder e.V. aus Berlin, wurde am 8. Juni 2012 als Hauptpreisträger mit dem „HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2011“ ausgezeichnet. Mit dem ältesten und traditionsreichsten Sozialpreis Deutschlands wurde damit das herausragende Engagement des Vereinsvorsitzenden Eckhard Baumann und seines Teams geehrt. Die Versicherungsgruppe vergab damit bereits zum 31. Mal die mit insgesamt 50.000 Euro dotierte Auszeichnung. Der Preis wurde unter Schirmherrschaft der Schauspielerin Frau Mariella Ahrens und in Anwesenheit der Jury, zu der unter anderem Frau Eva Luise Köhler (Schirmherrin Allianz chronischer seltener Erkrankungen) und Herr Heinz Hilgers (Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes DKSB e.V.) gehören, überreicht.

In seiner Ansprache im Atrium der HanseMerkur Hauptverwaltung in Hamburg würdigte Heinz Hilgers die Arbeit des Vereins. Unter dem Motto: „Es gibt viele Gründe warum Kinder auf der Straße landen, aber keinen Grund das hinzunehmen“, macht sich der Verein seit mehr als zwölf Jahren für diejenigen stark, die ihren Platz abseits der Gesellschaft haben. Ein Engagement, welches sich zu 100 % aus Spenden finanziert.

Dass die Arbeit des Vereins von hoher Bedeutung ist, verdeutlichen die Zahlen: Nahezu ein Viertel der 9000 Straßenkinder Deutschlands lebt in Berlin. Wie Hannah, die bereits mit neun Jahren von zu Hause fortlief und seitdem in Abbruchhäusern, U-Bahnschächten und anderen Verstecken schlief. Ihre Geschichten ähneln sich: Gewalt, sexueller Missbrauch, Alkoholismus der Eltern und Vernachlässigung bringen die Kinder und Jugendlichen dazu, die Straße als neues Zuhause zu wählen.

Seit der Gründung von Straßenkinder e.V. im Jahr 2000 setzen sich der Vorsitzende Eckhard Baumann, sowie der pädagogische Leiter Markus Kütter für die obdachlosen Kinder und Jugendlichen ein. 30.000 Mahlzeiten haben die Streetworker des Vereins allein im vergangenen Jahr ausgegeben. Täglich treffen die Mitarbeiter bis zu 100 Straßenkinder, sie hören zu, haben Zeit und helfen wo Hilfe gewünscht ist.

So ist der Verein an vielen Orten der Großstadt aktiv. Neben dem Beratungsbüro im „Foyer an der Gedächtniskirche“ besuchen die Streetworker regelmäßig die einschlägigen Treffpunkte der Szene. Mit dem mobilen Beratungsbus versorgen sie die Straßenkinder mit Tee, warmen Mahlzeiten und Hygieneartikeln, und beraten bei anstehenden Fragen und Problemen. „Verbindlichkeit“ berichtet Markus Kütter, „ist für diese Kinder besonders wichtig. Noch nie konnten sie sich auf die Erwachsenen verlassen. Wir haben die Chance Vertrauen aufzubauen. Aber dabei müssen wir niederschwellig arbeiten und sensibel sein.“ Die engagierten Mitarbeiter begleiten die Jugendlichen darum weit über den Kontakt zum Jugendamt hinaus. Solange, bis sichergestellt ist, dass die Straßenkids an einem Ort aufgehoben sind, wo sie sich wohlfühlen und bleiben wollen.

Einen solchen haben die Kinder und Jugendlichen im Kinder- und Jugendhaus BOLLE in Berlin-Marzahn gefunden. Denn gerade aus solchen Stadtteilen kamen überproportional viele der betreuten Straßenkinder. „BOLLE“ ist ein Ort wo Kinder und Jugendliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfahren. Hier erhalten sie all das, was ihre Familien nicht tun können oder wollen. Es sind Geschichten wie die von Lisa, welche die Mitarbeiter immer wieder für die Arbeit motivieren. Sie kam in der Schule nicht mit, weil sie nicht erkennen konnte was der Lehrer an die Tafel schrieb und es die Mutter überforderte, mit ihrer Tochter zum Optiker zu gehen. Oder die von Jason, der 30 Minuten zu spät nach Hause kam und dann vor dem Eingang der Plattenbausiedlung seiner Eltern schlafen musste.

Das 2010 als Präventionsprojekt eröffnete Kinder- und Jugendhaus bietet täglich rund 100 Kindern im Alter zwischen fünf und achtzehn Jahren eine bunte Vielfalt an Lern- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Dabei steht Bildung im Mittelpunkt der Aktivitäten. Hierzu gehören neben der Hausaufgabenhilfe auch vielseitiger Musikunterricht sowie Medienprojekte und die Garten-AG, welche Kräuter- und Ernährungskunde beinhaltet. Verbindlichkeit ist auch hier ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes. Das gilt für Betreuer wie Kinder.

Die Mitarbeiter von Straßenkinder e.V. freuen sich sehr über die Anerkennung, die ihnen mit der Auszeichnung des HanseMerkur Preises zuteil wurde und sind hoch motiviert sich weiterhin für das Wohl von Kindern und Jugendlichen einzusetzen.

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