Interview mit Lasse John | Streetworker bei Straßenkinder e.V.

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Fragen: Laura Hensen * Foto: Laura Hensen * Wetter: bedeckt, 20°C

STRAKI – Was ist das Ziel deiner Arbeit?

LASSE – Mein Ziel auf der Arbeit ist es junge Menschen, welche von Wohnungslosigkeit oder Obdachlosigkeit betroffen oder bedroht sind, bei ihren Vorhaben diesen Zustand zu beenden, zu unterstützen und zu begleiten. Dabei spielt die Grundversorgung der Klienten, wie zum Beispiel mit Essen, Trinken, Hygieneartikeln, frischer Wäsche und gegebenenfalls eine nötige Wundversorgung, die wichtigste Rolle. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass sich die Klienten ohne die Sorge um die Stillung ihrer Grundbedürfnisse besser auf die Stabilisierung der aktuellen Lebenssituation und der dafür notwendigen Hilfeprozesse konzentrieren können.

STRAKI – Wie gehst du mit unterschiedlichen Bedürfnissen der Klienten um?

LASSE – Das Spektrum an Bedürfnissen, welches mir Tag täglich in der Arbeit begegnet, ist sehr weit und divers. Die groben Bedürfnisse nach Grundgütern ist relativ leicht zu stillen, im Gegensatz zu den emotionalen und Beziehungsbedürfnissen. Hier wird mir als Sozialarbeiter und Bezugsperson der jungen Menschen einiges an Flexibilität und Empathie abverlangt. Demzufolge lerne ich die jungen Menschen und ihre Bedürfnisse kennen und versuche dann, im Rahmen meiner Möglichkeiten, auf diese einzugehen.

STRAKI – Woran merkst du, dass du erfolgreich bist in dem, was du tust?

LASSE – Erfolg ist in diesem Arbeitsfeld relativ schwer zu messen. Als objektiven Indikator könnte ich die Beendigung der Wohnungs-/ Obdachlosigkeit nennen. Wenn dies jedoch der einzige Maßstab für Erfolg wäre, wäre meine Arbeit wenig erfolgreich. Ein Großteil unserer Klienten sind oft Jahre lang in unserer Betreuung bis sie den Absprung aus dem Straßenleben vollziehen können. Das Gefühl, dass ich in meinem Job erfolgreich bin, hängt stark davon ab, ob und wie die Klienten ihr Ziel erreichen, welches sie sich gesetzt haben und ob dieses ihnen in der jeweiligen Lebenssituation etwas nützt.  Auch würde ich sagen, dass Erfolg sich durch die Intensität der Beziehung zwischen mir als Sozialarbeiter und den Klienten bemerkbar macht. Wenn ich einen guten und tiefergehenden Kontakt hergestellt habe, bin ich in einer besseren Lage, auch bei der Findung der benötigten Ziele die richtigen Impulse zu geben.

STRAKI – Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

LASSE – Ein gewöhnlicher Arbeitstag startet mit der morgendlichen Teambesprechung. Anschließend bereite ich mich auf die Öffnungszeit und Kliententermine vor. Es kann auch sein, dass ich da schon Klienten zu Amtsterminen begleite. Zur regulären Öffnunsgzeit bin ich dann meistens in der Beratungsstelle für die Anliegen der Klienten da. Anschließend bin ich dann wieder mit Klienten zu Terminen unterwegs, bei der Essensausgabe am Alexanderplatz oder bei Aktionen mit den Besuchern dabei wie z.B. Bouldern gehen.

STRAKI – Was war dein Highlight in dem Jahr 2019?

LASSE – Mein Highlight in 2019 war eine Fahrt mit fünf jungen Menschen auf die Insel Rügen. Dort haben wir vier Tage mit ihnen auf dem Natur- und Erlebnishof Lüttkevitz verbracht.

 

Mehr interessante Fakten über den Straßenkinder e. V. findet ihr im aktuellen Jahresbericht.

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