BOLLE – eine Antwort auf die Not im Kiez
Berlin-Marzahn. Zwischen den Hochhausschluchten der größten Plattenbausiedlung Europas, in einem der größten Bezirke im Nordosten Berlins gibt es einen Ort, der oft als Oase empfunden wird. Aus dem bunten Kinder- und Jugendhaus BOLLE und dem grünen Garten dahinter, mit eigenem Spielplatz, ertönt helles Kinderlachen. Wer am Gartenzaun vorbeigeht, sieht die Kids toben, klettern, Fußball spielen … Ein harter Kontrast zu den Betonwänden ringsherum, für die der Bezirk bekannt ist.
Leben im Brennpunkt
Das Leben in Marzahn birgt viele Herausforderungen, denn die Gegend gilt als Brennpunkt Berlins, was vor allem den sozialen Herausforderungen geschuldet ist:
In Marzahn liegt der Migrationsanteil (2023) bei fast 28%*. Viele sind zugezogen und auch die Arbeitslosigkeit ist überdurchschnittlich hoch. Ein Großteil der Anwohner bezieht Bürgergeld und kämpft im Alltag mit finanziellen Herausforderungen und wenig Wohnraum.
Statistiken zufolge ist hier jedes vierte Kind von Armut betroffen. In manchen Quartieren soll es sogar jedes zweite sein**. Als Konsequenz bleiben viele Bedürfnisse der Kids – der Not geschuldet – unbeantwortet. So fehlt es häufig nicht nur an Geld für Kleidung und ausgewogenen Mahlzeiten, sondern auch an technischem Equipment und Unterstützung bei Schulbelangen, so dass viele der Kids hier nicht nur bedroht sind von Kinder- sondern auch von Bildungsarmut. In einem Bericht*** erklärt der Tagesspiegel, dass über 60% der Erstklässler einen erhöhten Förderbedarf haben. Dieser zeige sich z.B. durch sprachliche Auffälligkeiten oder durch mangelnde Sozialkompetenzen.
BOLLE – ein zweites Zuhause
Für viele betroffene Familien ist BOLLE ein Hoffnungsschimmer. Ab 13 Uhr, wenn sich die Türen öffnen, bekommt hier – wer mag – ein frisch zubereitetes, warmes Mittagessen und das völlig umsonst! Manche der Kinder kommen direkt im Anschluss an die Schule zu BOLLE und verbringen ihren restlichen Tag dort. Wenn die hungrigen Mägen gefüllt sind, können verschiedene Freizeitangebote wahrgenommen werden. Das Angebot reicht von Kreativ-Workshops und Sportangeboten bis hin zu Ausflügen, an denen die Kinder wahlweise teilnehmen können. Freizeitangebote, wie Museums- und Konzertbesuche oder der Besuch eines Spaßbads, das für viele Familien nicht finanzierbar ist, werden auf einmal realisierbar. So entsteht ein ganz neuer Zugang zu Kultur und der Möglichkeit der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben – eine besondere Erfahrung für viele.
Wer möchte, kann außerdem die Bildungsräume des Hauses nutzen. Dort gibt es technisches Equipment, das zuhause oftmals nicht vorhanden ist und es können Lexika und Duden, aber auch Laptops für Rechercheaufträge und Präsentationsvorbereitungen genutzt werden. Wer selbst nicht weiterkommt, kann Mitarbeiter um kostenlose Nachhilfe bitten. Dank ihrer Erfahrung und langjährigen individuellen Begleitung ist, anders als im Klassenraum, eine sehr persönliche Förderung möglich. Die Kinder und Jugendliche erhalten Support bei ihren Hausaufgaben oder der Vorbereitung auf Abschlussprüfungen – viele lernen hier lesen! Für maximale Erfolge stehen die Mitarbeiter im engen Austausch mit Schulen und Lehrpersonal, um tatsächliche Lernerfolge zu garantieren. Um zusätzliche Motivation zu schaffen, sorgt ein eigenes Belohnungssystem für Lernanreize, die gerne angenommen werden und tatsächlich immer wieder Erfolg zeigen:
Eines Tages kommt uns Kieran (17 Jahre) besuchen. Er erzählt uns:
„Als Kind war ich sehr viel und gerne im Schlaubau (Lernbereich der 6- bis 10-Jährigen), um zu lernen. Jetzt mache ich eine duale Ausbildung beim BKA! Ich weiß noch, wie ich damals immer bei euch zum Lernen war. Ihr habt mich damals in Schwung gebracht und bis heute habe ich sehr gute Noten.“
Der alltäglichen Not begegnen
In der BOLLE-Kleiderkammer „BOLLEXA“ gibt es alles für den Bedarf an Klamotten. Hier finden die Heranwachsenden warme Winterjacken, Mützen und Schals, neue Jeans, Sportklamotten, Schuhe, Regenjacken und vieles mehr.
Highlight der Arbeit ist für viele Kids jedoch der beziehungsorientierte Ansatz. Dieser ermöglicht die langjährige persönliche Begleitung durch eine Vertrauensperson. In persönlichen Gesprächen haben die angestellten Sozialarbeiter stets ein offenes Ohr für die Probleme und Nöte der Heranwachsenden. Sie stehen ihren Schützlingen mit Rat und Tat zur Seite und unterstützen, wo es Hilfe oder einen Mediator benötigt.
Lena schwärmt:
„BOLLE ist für mich ein Herzensort. Seit ich klein bin, verbringe ich hier fast jeden Tag. Ihr seid mittlerweile wie Familie!“
Mit diesem Gesamtpaket ist BOLLE eine echte Antwort auf die Nöte der Kids im Kiez. Denn im aktiven Kampf gegen Bildungs- und Kinderarmut können hier echte Zukunftsperspektiven entstehen, die Chancen auf den Ausbruch aus dem Teufelskreis der Armut schaffen.
* Localpedia, Stand 05.02.2026, Ausländeranteil in Berlin
** Berliner Zeitung, 09.12.2025, Armut in Problemkiezen noch größer: Jedes vierte Berliner Kind lebt in Bürgergeld-Haushalt
** Tagesspiegel, 29.05.2024, Kinderarmut in Berlin: Anstieg um vier Prozent in Marzahn-Hellersdorf
*** Tagesspiegel, 18.09.2024, Erstklässler in Marzahn-Hellersdorf: Über 60 Prozent der Kinder haben Förderbedarf