Von Author: Isabell Baumann | |
Category: Aktuelles

Armut in Deutschland: Über 4 Millionen Kinder betroffen

Die Situation der Kinder

Die Diakonie hat ihren „Schattenbericht zur Armut in Deutschland“ veröffentlicht, der alarmierende Zahlen präsentiert. Demnach leben mehr als 4 Millionen Kinder in Einkommensarmut. Diese Situation wird nicht nur durch das Einkommen bestimmt, sondern auch durch soziale Belastungen wie hohe Mieten, Schulden und eingeschränkte Erwerbsmöglichkeiten. Die Inflation und steigenden Mietpreise führen dazu, dass immer mehr Familien unter die durchschnittliche Einkommensgrenze fallen und somit als armutsgefährdet gelten. Im Durchschnitt sind 14,4 % der unter 18-Jährigen von Armut bedroht. Besonders besorgniserregend ist die ungleiche Verteilung des Armutsrisikos: Bei einem niedrigen Bildungsstand sind sogar 25,7 % der Kinder betroffen.*

Diese prekäre Lage brachte Deutschland im Jahr 2024 eine Rüge durch den Europarat ein.** Es besteht dringender Handlungsbedarf, um den Kreislauf der Kinderarmut zu durchbrechen. Armut ist eng mit Scham und sozialer Ausgrenzung verbunden; viele Betroffene werden stigmatisiert und vergessen.

Unser Beitrag gegen Kinderarmut

Im Kinder- und Jugendhaus BOLLE setzen wir uns täglich für betroffene Kinder und Jugendliche ein. Wir bieten ihnen Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe, einen Ort für Entfaltung und Möglichkeiten, dem Teufelskreis der Armut zu entkommen – insbesondere durch unser Bildungskonzept, das hohe Priorität hat. Viele unserer Besucher kommen aus einkommensschwachen Haushalten und leben oft auf engem Raum.

Die Stimmen der Kinder verdeutlichen die Situation der Kinder und die Bedeutung unserer Arbeit: Lilli (9 Jahre) auf die Frage, ob sie später in einem eigenen Haus wohnen möchte: „Habe ich doch schon. Ich wohne in einem Hochhaus.“

„Zu Hause kann ich nicht mit meinen Eltern Hausaufgaben machen.“ (Anja, 10 Jahre)

„Zu Hause fahre ich kein Fahrrad, weil ich kein Fahrrad habe. Aber bei BOLLE habe ich Fahrrad fahren gelernt.“ (Samir, 11 Jahre)

Eine Mutter sagt über ihre Tochter Ramona (11 Jahre), die seit über vier Jahren regelmäßig zu uns kommt: „BOLLE ist ihr zweites Zuhause; sie fühlt sich hier sehr wohl und ernstgenommen.“

Diese Rückmeldungen zeigen eindrücklich, wie wichtig unsere Einrichtung für die Kinder ist.

Unser Kinder- und Jugendhaus BOLLE ist Teil der Bemühungen, Kindern und Jugendlichen in Deutschland ein chancengerechteres Aufwachsen zu ermöglichen. Angesichts der Kürzungen in den Bereichen Bildung und Soziales im Berliner Haushalt wird unsere Arbeit noch wichtiger, da der Kompensationsaufwand von frei finanzierten Jugendhilfeeinrichtungen weiter steigt. Wir fordern eine stärkere Berücksichtigung dieser Themen in der Politik, damit auch zukünftig Maßnahmen ergriffen werden können, um benachteiligte Kinder zu fördern und zu begleiten. Nur gemeinsam können wir sicherstellen, dass kein Kind in Deutschland zurückgelassen wird!

 

*Diakonie, 2025: Schattenbericht – Armut in Deutschland

**Tagesschau, 19.03.2024: Deutschland tut zu wenig gegen Armut und Wohnungsnot