Reisebericht aus der Ukraine
Eckhard Baumann, Vorsitzender des Vereins Straßenkinder e.V., war vom 10. bis 21. Oktober 2025 für knapp 11 Tage in der Ukraine. Inzwischen ist er seit knapp vier Wochen zurück. Im folgenden Bericht teilt er einige persönliche Eindrücke über seine Zeit dort:
„Während meiner Zeit in der Ukraine habe wirklich viel Leid gesehen, aber auch Hoffnung, die durch unsere Teams vor Ort entstanden ist. Besonders schlimm fand ich, dass jeden Tag pünktlich um 22 Uhr die russischen Luftangriffe landesweit dafür sorgen, dass überall Sirenen erklingen. Wegen der Ungewissheit, ob es einen selbst trifft, fällt es schwer einzuschlafen. Für die Menschen vor Ort – insbesondere jedoch für die Kinder und Jugendlichen – ist das der blanke Terror. Ich persönlich habe während dieser Reise viele seelsorgerliche Gespräche mit Heranwachsenden geführt und auch meine persönlichen Ängste bekämpft. In der Stadt Dnipro habe ich – in einer normalerweise idyllischen Unterkunft – direkt am Dniper (Fluss) geschlafen. Bis zum Sommer gab es hier, in etwa 20m Entfernung, am Flussufer ein schönes Ausflugsboot mit einem Kinderspielplatz. Jetzt, einige Monate später, sehe ich aus meinem Zimmer auf die Überreste des russischen Angriffs, nur wenige Meter von meinem Bett entfernt. Unwillkürlich fragte ich mich, wie wahrscheinlich ein weiterer Einschlag an genau dieser Stelle ist.
Eine Frage, die mir niemand beantworten kann. Also konzentriere ich mich, anstatt zu grübeln, auf meine Aufgaben vor Ort. Täglich bin ich meist 14 Stunden unterwegs, in den Kidsclubs, in Gesprächen mit Schutzbefohlenen und auch mit unseren Mitarbeitenden. Ich ermutige sie dazu, auch weiter für die Kids da zu sein und nicht (wie viele andere) das Land zu verlassen. Es ist eine schwierige Situation.
Während der elf Tage im Land, besuchte ich viele verschiedene Städte: Anfangs war ich in Cantemir in Moldawien. Von dort ging es weiter in die Ukraine nach Odessa, Znamyanka, Saparoshje, Dnipro und Poltawa und am Ende nach Kiyv. In Saparoshje eröffneten wir einen neuen Kidsclub, in Znamyanka einen neuen Jugendraum und in Dnipro wollen wir in Kürze – geschützt vor Drohnen und Raketen – im bestehenden Kellergeschoß der Skykids weitere Jugendräume ausbauen. Darüber hinaus versorgen wir an jedem Standort unermüdlich Bedürftige mit Grundnahrungsmitteln.
Durch meine regelmäßigen Besuche in die Ukraine ist mittlerweile eine starke emotionale Bindung zu den Kids und Jugendlichen entstanden. So kommt es, dass der kleine 8-jährige Gregori aus Odessa mir genau beschreibt, wie man einen Hamburger aufbaut. Stolz erklärt er, dass er Experte für Hamburger, Cheeseburger und Pizza sei. Aufgrund dieser „Expertise“ nennen ihn manche seiner Freunde: „Gregori Mozzarella“. Wie schön, wenn Kinder in solch einem vom Krieg gebeutelten Umfeld so lustige Sachen erzählen können.“
An dieser Stelle möchten wir jedem von Ihnen Danken, der unsere Arbeit in der Ukraine in der Vergangenheit unterstützt hat!
Mit unserer Arbeit erreichen wir besonders viele Kids und Bedürftige im Osten und Süden des Landes. Falls Sie unseren Einsatz vor Ort unterstützen möchten, sind wir dankbar für jede Spende. Jeder Betrag macht einen echten Unterschied im Leben der Kinder und hilft uns dabei, den Fortbestand unserer Arbeit zu sichern.
Spendenkonto für die Ukrainehilfe:
Straßenkinder e. V.
SozialBank
IBAN: DE22 3702 0500 0003 2826 04
BIC: BFSWDE33XXX
VWZ: Ukraine Kidsclubs und Nothilfe